Luisenhain

Flanieren am Ufer der Dahme

Wenn ich mich in der Köpenicker Alstadt aufhalte, nicht in der üblichen Zeitnot stecke, die Sonne lacht oder zumindest ein angenehmes Klima vorherrscht, lockt mich das Dahmeufer. Ein idealer Ort um von den Lasten des Alltags zu regenerieren und auf frische Gedanken zu kommen. Ich beginne meinen kleinen Ausflug in der Regel am Schloßplatz, in dem ich mir einen Eisbecher mit drei Kugeln spendiere, ich war den ganzen Tag über brav gewesen und hab ihn mir redlich verdient. Von dort schlendere ich geruhsam über die Freifläche an der Tramhaltestelle Rathaus Köpenick zum Dahmeufer und genieße die Welt, das frische Grün, das Gezwitscher der Vögel und die flanierenden verliebten Pärchen zwischen 16 und 66, die ihre neueste Sommergarderobe ausführen. Auf einem Holzpfahl überwacht ein Graureiher das Geschehen, auf dass sich niemand an seinen Fischen vergreift. Großeltern führen stolz ihre Enkelkinder an die frische Luft und füttern die Enten, die es sich auf der breiten Freitreppe gemütlich gemacht haben, die bis zur Wasserkante hinab führt. Wie die Enten nutzen auch einige hübsche junge Frauen die Treppe, um sich in ihrer Mittagspause ein Sonnenbad zu gönnen. Touristen verirren sich zwar relativ wenige nach Köpenick, trotzdem kommen auch Besucher aus entfernteren Regionen der Welt und bestaunen die in ihren Augen exotischen Reize, heute kommt mir eine Gruppe buddhistischer Mönche aus dem Himalaya entgegen. Sie strahlen eine herzerfrischende Fröhlichkeit aus, die nur mit einer Kindergartentruppe im Streichelzoo zu vergleichen ist. Ich setze mich auf eine Bank und schiebe mir den Rest meines Eisbechers in den Mund. Hätte ich noch Hungergefühle, böte sich der Luisenhain auch für eine kulinarische Exkursion an - alle paar Meter gibt es die Möglichkeit einzukehren, um sich ein gehobenes Mahl einzuverleiben. Wenn man jedes Restaurant besuchen würde und jeweils nur einen Gang zu sich nähme, käme man locker auf ein sechs Gänge-Menü. Wer danach glaubt, dass sein Magen noch Raum für weitere Gänge bietet, könnte die Expedition unter der Dammbrücke fortsetzen, dort warten noch weitere Kalorienfallen auf Besucher. Nach einiger Zeit, in der ich mir die wärmende Sonne auf meinen Bauch scheinen lasse, setze ich frohgemut meinen Weg fort.
Der Luisenhain war einst eine Schenkung des ansässigen Kaufmanns Asseburg im Jahr 1906 an die Stadt Cöpenick. Seine Bedingung: Das Grundstück sollte als Grünanlage genutzt werden und den Namen seiner Frau Luise tragen. In mehreren Etappen wurde der Luisenhain erst zur „Lange Brücke“ und 1969 bis zur „Dammbrücke“ verlängert. Das heutige Erscheinungsbild bekam der Luisenhain nach seiner Neugestaltung in den Jahren 2004-2006. Die Uferwand wurde saniert, einige Bäume und der Strauchbewuchs am Ufer entfernt und der Weg mit Natursteinplatten versehen. Die Bronzeskulptur eines erfolgreichen Fischers wanderte einige Meter auf die vom Wasser abgewandte Seite des Weges und blickt nun zum Dahmeufer.
Die Gruppe lebensbejahender Mönche traf ich einige Stunden später noch einmal, beim Besichtigen einer weiteren Köpenicker Sehenswürdigkeit, dem Discounter mit vier Buchstaben.

Für weitere Informationen empfehle ich die Internetseite: koepenick.net/luisenhain.htm

Stand 24.11.2017

von R.L.

Wegbeschreibung
Verkehrsanbindung: Tram: 27, 61, 62, 63, 67, 68 Bus: 164, 165
Haltestellen: Rathaus Köpenick, Freiheit, Schloßplatz Köpenick


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