Floßfahrt

Von der Spree zum Langen See & retour

Seit Wochen stieg die Vorfreude auf ein kleines Abenteuer, mit Freunden hatte ich mich für eine Floßfahrt auf der Spree verabredet. Als Start war das Industriegelände ab Höhe Ostendstraße in Richtung Langer See geplant. Das Floß war gemietet und bereits bezahlt. Jedoch, je näher der geplante Tag nahte - desto schlechter wurden die Wetteraussichten. Am Tag des Abenteuers goss es dann auch in Strömen!
Glücklicherweise war der Floß-Vermieter jedoch so kulant, dass wir ohne zusätzlichen Kosten auf die nächste Woche umbuchen konnten. Dies war jedoch wohl nur möglich, da wir an einem normalen Wochentag gemietet hatten, an dem ohnehin nur wenige Flöße vermietet werden. Beim zweiten Anlauf eine Woche später herrschten ideale Bedingungen, strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen sowie blendende Laune bei allen Teilnehmern. Da half auch der Kuchen, den ich mitgebracht hatte. Bienenstich und Donauwellen, persönlich aufgetaut war im Angebot, sowie 2 Flaschen mit zuckerfreier Cola und Grapefruit – Limonade. Nach einer kurzen Einweisung durch den Vermieter, bei der geringen Leistung des Außenborders benötigt man für das Führen des Floßes keinen Bootsführerschein, tuckerten wir unaufhaltsam in Richtung Köpenick davon. Nun wurde meine Verpflegung in Angriff genommen, der Bienenstich war im Kern noch leicht gefroren während die Donauwellen schon am Schmelzen waren. Egal, der Kuchen schmeckte! Obwohl wir mitten in der Woche unterwegs waren, hatten nicht nur wir die Idee für eine kleine Seefahrt, nach einer Woche Dauerregens eigentlich leicht zu verstehen. Also hatte der jeweils amtierende Steuermann alle Hände voll zu tun, um nicht mit einem der anderen Freizeitkapitäne nähere Bekanntschaft zu schließen. Vor der imposanten Kulisse der Köpenicker Altstadt bogen wir in die Mündung der Dahme ein. Die gemütliche Fahrt wurde nur dann etwas unruhig, wenn mal wieder ein Möchtegern-Wasser-Schumi mit hoher Geschwindigkeit unser Floß passierte. Die Bugwellen brachten uns jedesmal ganz schön ins Schwanken. Auf Höhe der Ruderregattastrecke wurde mir erstmals bewusst, wie lang die Strecken sind, die Wettkämpfer zu bewältigen haben. Uns half zum Glück der japanische Rudersklave - der Außenborder. Mit der Biegung an der Wendenschloß– Kolonie befanden wir uns nun auf dem Langen See und winkten den Wasserratten in den Seebädern an den Ufern des See´s zu. Auch Adam und Eva planschten fröhlich im Wasser und winkten uns zurück. Kurz vor Krampenburg mussten wir unsere Weiterfahrt abbrechen. Leider hatten wir die Zeitspanne erreicht, die uns zur Rückkehr drängte. Vor der Rückfahrt legten wir noch eine kurze Pause ein. Für die Rückfahrt übernahm ich die Ruderpinne und ging sofort auf volle Fahrt, bei Zeitüberschreitung drohten sonst Nachzahlungen. Volle Fahrt bedeutet jedoch keineswegs, dass wir auch nur annähernd an die Geschwindigkeit herankamen, die nötig wäre, um zum Beispiel einen Wasserskifahrer auszusetzen. Im Gegenteil, alles und jeder, der sich auf Dahme und Spree in die gleiche Richtung bewegte, war schneller, die
Motorboote, Hausboote, Ruderachter mit Senioren als Besatzung an den Ruderriemen, ja wir wurden sogar von schwimmenden Enten überholt. Einzig Tretboote hatten keine Chance gegen uns und mussten in unserer Bugwelle schaukeln, hoffentlich wurde niemand seekrank. Apropos Bugwellen, der eine und der andere Sportbootfahrer übertrieb es dann doch etwas damit, mit allem was seine Maschinen hergaben möglichst nah an uns vorbeizufahren, um dabei unser Floß mit seinen Bugwellen kurzzeitig unter Wasser zu setzen. Trotz dieser Versuche uns zu versenken, erreichten wir noch vor Ablauf unserer Mietdauer und dem Aufziehen erster Regenwolken rechtzeitig das Pier des Verleihers, sammelten unseren Müll ein und betraten wieder festen Boden. Und obwohl es für mich der erste Einsatz als Steuermann war, es wurde niemand versenkt und wir waren noch immer vollzählig.
Wer nun Lust hat, in unsere Fußstapfen zu treten, es gibt neben unserem Vermieter noch eine ganze Reihe von Anbietern entlang der Wasserstraßen von Treptow – Köpenick. Je früher im Voraus gebucht wird, umso mehr spart man an den Kosten, riskiert jedoch auch unangenehmes Wetter. Wenn alles stimmt, ist ein gelungener Tag zu erwarten, probiert es aus!

von R.L.

Wegbeschreibung
Je nach Route