Fest zum Jahrestag der Befreiung auf dem Parkplatz gegenüber dem Denkmal des Unbekannten Soldaten

“Как вы думаете, Russem хочет войны?

Dieses Lied mit dem Text von Jewgeni Jewtuschenko hörte ich das erstemal vor 40 Jahren bei einer Mitschülerin in meiner Berufschule in MeckPom. Bei einem sogenannten Kulturwettbewerb sang sie das Lied zur Gitarre und alle staunten nur mit offenem Mund, denn keiner von uns wußte, dass sie Gitarre spielen konnte und das sie eine so schöne Stimme besaß (RIP D.).
In der zitty las vor ein paar Jahren, dass linke Gruppierungen aus Friedrichshain zum 70 Jahrestag der Befreiung auf dem Parkplatz gegenüber dem Denkmal des Unbekannten Soldaten eine Gedenkveranstaltung organisiert hatten (Eintritt frei). Als ich eintraf übergab gerade eine Reggaetruppe an eine Klezmerband. Die Stimmung war sehr entspannt. Alles tanzte ausgelassen.
Bei den Linken aus Friedrichshain war wohl in diesem Jahr die Kombi aus schwarzer Kniehose und schwarzer Kapuzenjacke angesagt, denn fast jeder, dem ich begegnete, trug so etwas.
Nach einer Weile ging mir die Klezmermugge und die aufgesetzt fröhliche Stimmung (ist bei Volksfesten immer so) auf die Nerven, und ich ging rüber auf die andere Straßenseite der Puschkinallee, zum Denkmal des Unbekannten Soldaten. Hier war die Stimmung weniger fröhlich. Es befanden sich fast nur Russen da, die natürlich einen völlig anderen Bezug zu diesem Jahrestag hatten.
Der große Hügel, auf dem sich das Denkmal befindet, war vollständig mit Blumen, Kerzen und Bildern von jungen Soldaten bedeckt, und es kamen noch immer mehr Leute, die Blumen niederlegten. Ich nahm an, dass viele der hier lebenden Russen, wohl Angehörige während des zweiten Weltkriegs verloren hatten, aber das war ja immerhin schon 70 Jahre her.
Ich versuchte nachzurechen in welcher Beziehung viele derjenigen die Blumen und Bilder niederlegten, wohl zu den Abgebildeten standen (Großvater, Urgroßvater, Ururgroßvater?) Auf alle Fälle hat wohl keiner von ihnen einen davon noch persönlich gekannt. Aber trotzdem erschien mir ihre Trauer noch lebendig.
Zwei junge Männer kamen mit einem riesigen Kranz angeschleppt und richteten liebevoll die Schleife. Dem Aufdruck konnte ich entnehmen, dass sie Abgesandte der russischstämmigen Community in Potsdam waren. Also sind sie extra von Potsdam angefahren gekommen und das freiwillig.
Aus DDR Zeiten kannte ich bloß die verordneten Kranzniederlegungen, die allen egal waren. Bei unserer Jugendweihefahrt nach Berlin vor 42 Jahren habe ich auch das Treptower Ehrenmal zum ersten Mal gesehen, und natürlich mussten wir auch einen Kranz niedergelegen.
Langsam leerte sich das Areal und es wurde dämmrig. Im letzten Tageslicht sah ich mir noch die Fotos an, die rings umher an die Umfriedungsmauer gepinnt waren. Es waren alles Soldaten, die noch in den letzten Tagen vor der Kapitulation gefallen waren. So gut wie keiner hatte die 30 erreicht.
Wenn man sich mal so überlegt, man überlebt den ganzen Feldzug, und dann auf den letzten Metern erwischt es einen noch. Einige waren sogar noch nach der Befreiung verstorben, vielleicht an den Folgen einer älteren Verletzung.
Langsam, umgeben von den ganzen jungen russischen Soldatengesichtern, wurde mir etwas flau im Magen. Das ganze sinnlose Sterben erhielt ein Gesicht. Allein in der Schlacht auf den Seelower Höhen vor Berlin fielen wohl fast 50000 deutsche und russische Soldaten.

PS Vielleicht war der Anlaß der Veranstaltung auch der 75 Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion.



Как вы думаете, Russem хочет войны?
Befrag тишине, молчаливая, потому что
в огромном поле, в роще тополя,
Befrag березы на дождь.
Где он находится в его могиле,
Российские солдаты в вопросе!
Его сын даст ответы:

von Tanja

Wegbeschreibung
S- Treptower Park, die Puschkinallee überqueren und dann rechts in das Gelände einbiegen