Der Malchower See

Der große See, mit seinem Flair und seinen Reizen

Heute möchte ich Sie in einer Zeitreise entführen, an einen geheimnisvollen und wunderschönen Ort. Das Dorf und die Gemeinde Malchow hat trotz alldem seinen besonderen Reiz und Flair.
Die Sonne strahlt, der Frühling liegt in der Luft. Ein eher später Frühling und es scheint, als ob sich die Natur der letzten Monate erholen würde.
Der Ortsteil Malchow, ein Straßendorf mit historischen Drei-Seiten-Gehöften, liegt unmittelbar vor der Großsiedlung Hohenschönhausen. Die historischen Gebäude, die sich um das Gemeindehaus gruppieren. Das Schloß Malchow, das Fontane 18.12.1878 in seiner „Weihnachtswanderung“ schon beschrieben hat. Die Naturschutzstation, die sehenswert ist und viel Erfahrungswert bietet und die sich mit großem Engagement für Umwelt- und Naturschutz einsetzt. Umgeben von zauberhafter Natur und einer vielfältigen Tier- und Pflanzenvielfalt wird bis heute das Dorf Malchow - nordöstlich von Berlin und erstmals 1344 urkundlich erwähnt -. und der Malchower See wegen seiner reizvollen Lage immer mehr geschätzt.,
Bis heute wird es von der landwirtschaftlichen Fakultät der Humboldt Universität genutzt. Zahlreiche Landarbeiterhäuser aus dem 19. Jahrhundert sind noch erhalten. Das dem See umgebene Areal wurde zum Naturerholungsgebiet für die Berliner der angrenzenden Neubaugebiete umgestaltet. Malchow lockt mit einer Naturschulstation, dem Ort Falkenberg und seinem Tierheim sowie der Dorfkate und dem umgestalten Gutspark.

Der Herbst färbte schon die Blätter, und die Störche mochten sich eben auf die Lehmhütten der Fellahs niedergelassen haben, als mir ein gelbes Buch zu Händen kam, das auf seinem Umschlag, außer dem zum Licht emporstrebenden Adler der Firma Duncker und Humblot, auch noch den Titel führte. »Paul von Fuchs, ein brandenburgisch-preußischer Staatsmann vor zweihundert Jahren. Biographischer Essay von F. von Salpius«. Und am Schlusse dieses Buches hieß es, nicht dem Wortlaute, wohl aber dem wesentlichen Inhalte nach, wie folgt:
»Am 7. August 1704 verschied Paul von Fuchs, Geheimrat und Etatsminister, auf seinem Gute Malchow bei Berlin, das er schon 1684 durch Tausch an sich gebracht und all wo er ein ›artiges Haus‹ für sich und seine Familie hergerichtet hatte. Der König pflegte ihn von dem nahe gelegenen Niederschönhausen aus häufiger auf diesem seinem Landsitze zu besuchen. Auch an jenem 7. August war ein solcher Besuch beabsichtigt, aber unterwegs schon erfuhr Ihre Majestät den Tod Ihres treuen Dieners. Paul von Fuchs war in seinem vierundsechzigsten Jahre verstorben. Johann Porst, dazu malen Pfarrer zu Malchow – später Dompropst und Beichtvater der Königin, bekannt als Herausgeber des Porstschen Gesangbuches –, hielt eine Predigt zum Gedächtnis des Heimgegangenen, darinnen es hieß, daß er ›seine dauerhaften Kräfte und beständige Gesundheit zum Heil des Landes und Wohlsein der Kirche aufgeopfert habe‹. Bald darauf wurde der Sarg in der Gruft zu Malchow beigesetzt und steht ebendaselbst zwischen den Särgen seiner vor ihm gestorbenen Schwiegertochter und seiner zweiten Frau, ›née de Friedeborn‹. Das Fuchssche Wappen aber befand sich noch bis 1874 am herrschaftlichen Stuhl der Kirche.«
Wer sich auf Urnen und Totenköpfe versteht und überhaupt nur ein Äderchen von einem Sammler oder Altertümler in sich hat, begreift, daß diese Notiz eine gewisse Malchow-Sehnsucht in mir wecken und eine »Wanderung« dahin zu einer bloßen Frage der Zeit machen mußte. Mit dem ersten Maienschein, an grünen Saaten vorbei, hofft ich den Ausflug unternehmen und nach »manch verborgenem Schatz« ausschauen zu können. Aber es war anders beschlossen, und aus einer Wanderung bei Finkenschlag und Apfelblüte wurd eine Wanderung bei Nordwest und Schneegestöber: eine Weihnachtswanderung.
Eine Wanderung nach Malchow, so kurz sie ist, gliedert sich nichtsdestoweniger in drei streng geschiedene Teile: Omnibusfahrt bis auf den Alexanderplatz, Pferdebahn bis Weißensee, und per pedes apostolorum bis nach Malchow selbst. Und so vollzog es sich auch. Auf dem Alexanderplatz regierten bereits die fliegenden Söhlkes mit dem »Schäfchen« und dem »Schaukelmann«, dessen Birnen sich noch gerade so gelb und rot gesprenkelt zeigten wie vor funfzig Jahren, in den Tagen meiner eigenen Kindheit; in dem Pferdebahnwagen aber, in den ich einstieg, war es, als wäre der Weihnachtsmann mit oder vor mir eingestiegen und gedenke seinen Einzug in Weißensee zu halten. Alle Plätze voller Kinder mit ihren Schulmappen auf dem Rücken, und hinten und vorn im Wagen und vor allem obenauf ganze Büsche von Weihnachtsbäumen. Das war das Vergnügen an der Fahrt, viel vergnüglicher als die Vergnügungslokale, die mit ihren grasgrünen Staketenzäunen halbverschneit am Wege lagen.
Endlich hielten wir am Ende des Dorfes, und der Umspannungsmoment war nun für mich da: Schusters Rappen mußt aus dem Stall. Er war's auch zufrieden, und willig und guter Dinge zog ich »fürbaß«, unangefochten von der Öde der Landschaft. Aus den Schneemassen, die die Felder zu beiden Seiten deckten, wuchsen nur ein paar vertrocknete Grashalme auf und zitterten im Winde, während die Chausseepappeln wie nach oben gekehrte Riesenbesen dastanden. Aber so trist und öde die Landschaft war, so voller Leben war die große Straße, darauf ich ging, denn in langer Reihe folgten sich die Gespanne, die von den benachbarten Seen her hoch aufgetürmte Eismassen zur Stadt fuhren.
»Nach Malchow?« fragt ich, um mich des Weges zu vergewissern.
»Joa; 't nächste Dörp.«

aus: Theodor Fontane, Eine Weihnachtswanderung, 1878, Kapitel 302








.

von TLL
Team Lieblingsorte Lichtenberg

Wegbeschreibung
Anfahrt: Malchow / Dorfstraße
Bus 154, 259
Tram M 17 Zingster Straße