Lausitzerplatz

Ein Ort zur Erinnerung

Lausitzerplatz

Als die Mauer nicht nur zwischen Ost- und Westdeutschland, sondern auch zwischen Ost- und Westblock wie ein Damoklesschwert hing, gingen die Punks an den Fenstern in den besetzten Häusern mit Pflastersteinen gegen die Touristenbusse und Polizeiautos vor. In diesen Zeiten umwebten
Baugerüste alle Straßen und alle Häuser in Kreuzberg, wobei die ganze Bevölkerung mit Wut in Aufruhr den Senat gezwungen hat, ganz Kreuzberg zu sanieren. Denn zu diesem Zeitpunkt war die Wohnungsnot unvergleichlich grösser als heute.
Damals wohnte ich mit einem Fischersohn namens Jesus in einer Wohnung am Lausitzer Platz. Der nach der südöstlich von Berlin gelegenen Lausitz benannte Platz dient häufig für Straßenfeste und Ökomärkte. Auf der Platzmitte befindet sich die von August Orth geplante und erbaute Emmaus–Kirche. Sie war in ihrer ursprünglichen Gestalt nach dem Berliner Dom die größte Kirche Berlins. Jede Nacht, wenn ich mich auf mein Bett legte, betrachtete ich unvermeidlich den Kirchenturm, der in den Himmel ragte, wobei ich nicht ahnte, dass diese Zeit der Anfang war, der mich schicksalhaft mit Berlin verband. Südlich des Lausitzer Platzes und des Görlitzer Bahnhofs befinden sich der Spreewaldplatz und Görlitzer Park. Im Norden grenzen die Waldemar- und Eisenbahnstraße an den Platz. Genau in dieser Ecke spielte ich in diesen Jahren tagtäglich jede Nacht ein paar Stunden französisches Billard, wobei ich seltsame Geister kennenlernte, die auch vom Schicksal gesteuert in Berlin gelandet waren. Wenn ich mich heute auf die Zeit zurück besinne, kommen viele Erinnerungen an den Pink Panther, der eine Punk-Rock Ecke war und nicht mehr existiert.
Der Kinderspielplatz dort wurde auf Initiative und mit Beteiligung der Anwohner erneuert und auf das Doppelte seiner ursprünglichen Fläche erweitert. Jedes Mal, wenn ich auf dem Ökomarkt auf diesem Platz bin, denke ich immer wieder daran, wie ich mich über den Spruch wunderte, der in die Kirchenfassade eingraviert ist: „Herr bleib bei uns, es will Abend werden.“ Ob dieser kleine Platz für andere Menschen sehenswürdig ist, möchte ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall verkörpert dieser Platz für mich einen Zeitraum, in dem meine Erinnerungen liegen.

von ma. pax
Autor lebt seit 30 Jahren in Berlin als
Maler, Zeichner und Modellierer.

Wegbeschreibung
U1-Görlitzer Bahnhof Richtung Markthalle Neun - 5 Minuten zu laufen.


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