Schloss und Schlosspark Köpenick

Eine Residenz in Alt-Köpenick

Seit meinem Zuzug nach Köpenick kann ich von mir behaupten, dass ich einen der schönsten Gärten Berlins vor meiner Haustür finde! Na ja ich muss nur noch mit der Tram ein paar Haltestellen bis in die Köpenicker Altstadt fahren, am Rathaus Köpenick vorbei spazieren, den Schlossplatz und die Müggelheimer Straße überqueren, schon befinde ich mich in meinem grünen Paradies. Dem Park der Schlossinsel Köpenick.
Das Schloss selbst wurde in seiner ursprünglichen Form als Jagdschloss im Jahr 1558 durch Kurfürst Joachim II von Brandenburg im Renaissance-Stil errichtet. Von geschichtlicher Bedeutung war, dass während des 30jährigen Krieges der schwedische König Gustav Adolf II zeitweise sein Hauptquartier im Schloss bezog. Kurprinz Friedrich, der spätere Kurfürst Friedrich III von Brandenburg, ließ das Schloss ab 1677 in mehreren Etappen zu seiner heutigen Form erweitern. Nach Beendigung der baulichen Arbeiten im Jahr 1690 wurde der Park als Barockgarten angelegt. Durch den Tod der Herzogin Henriette Marie von Württemberg und Teck (eine Enkelin des großen Kurfürsten) 1782 fiel der Park in eine Art von Dornröschenschlaf, er verwilderte zusehends.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde er wieder erweckt und dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend in einen Landschaftspark nach englischen Vorbild umgestaltet. Nach dem Tode von Generalleutnant Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau, der das Schloss Köpenick 1804 erwarb, verfiel der Park aufs Neue.
Zwischen 1824–1846 erfuhr der Park eine Nutzung als Traindepot für die preußische Armee:
Im Schlosspark wurden Schuppen und Remisen für Munitionsfuhrwerke aufgestellt (die Insellage vereinfachte den Diebstahlschutz).
Seine heutige Gestalt erhielt der Park in den Jahren 1963/1964. Dabei wurden historische Pläne nicht berücksichtigt. Nur die Baumvegetation weist noch auf die ehemalige Gestaltung hin. Trotzdem, ich fühle mich wohl auf der Insel, und den anderen Besuchern, ob menschlich, gefiedert oder mit buschigen Schwänzen versehen, geht es wohl ebenso.
Mir gefällt der Park so wie er ist, mit seinem Bestand an alten Bäumen, Liegewiesen und Skulpturen. Er lädt zum entspannen, sonnenbaden und picknicken ein. Er ist als Treffpunkt für junge & junggebliebene Liebespaare sehr beliebt, die es sich auf ihren Decken gemütlich machen. Ein Paar Decken weiter erkundet ein Kleinkind auf allen Vieren erstmals auf eigene Faust die große weite Welt.
Ich selbst mache es mir mit einem Buch, welches ich zuvor in der nahe gelegen Bibliothek ausgeliehen hatte, auf einer Bank am Ufer des Frauentroges bequem. Ein klassischer Krimi von Georges Simenon – Kommissar Maigret löst seinen Fall garantiert in zweieinhalb Stunden. Die ideale Zeitspanne für mich zu einer ersten gesunden Gesichtsfarbe zu kommen, ohne das sie gleich ins rötliche abdriftet.
Jetzt noch ein Stückchen Sahnetorte und eine Tasse duftenden Kaffee auf der naheliegenden Terrasse vom Schloss Café Köpenick vis-a-vis und der Tag sollte nie ein Ende nehmen.
Besonders schön ist der Park zur Zeit der Rhododendrenblüte. Die Natur zeigt, was sie an Farben aufbieten kann und der Duft der Blüten erfreut die menschlichen Nasen.
Aber auch im Winter, wenn frisch gefallener Schnee wie ein Zuckerguss Pflanzen und Bauten überzieht und die Uferstreifen zur Dahme und dem Frauentrog mit Eis garniert sind, ist der Park immer einen Besuch wert!
Zur kulturellen Erbauung lässt sich ein Besuch des Parks auch mit einem der Konzerte in der Schlosskirche abrunden. Auch das Schloss ist einen Besuch wert. Es dient heute als zweites Haus des Berliner Kunstgewerbemuseums und zeigt mit der Dauerausstellung Raumkunst aus Renaissance, Barock und Rokoko einen Querschnitt der Ausstattungskunst des 16.bis 18. Jahrhunderts.

von R.L.

Wegbeschreibung
BVG-Haltestellen: Schlossplatz Köpenicker, Rathaus Köpenick, Freiheit
Tram: 27,60,61,62,63,67,68 Bus:162,164,165